Geschichten – Deutschland: Meister Stichel (mit Podcast) – eine Geschichte über Ärger

Musik:
Hörprobe “Manchmal bin ich nicht gut drauf”

Ein Lied über Ärger – mit Jamaika Reggae Rhythmen den Ärger überwinden

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Podcast:
Geschichte – Meister Stichel

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Geschichte & Ausmalbilder:

Meister Stichel

Meister Stichel war ein kleiner, etwas zu dünn geratener, aber lebhafter Mann, der nie zur Ruhe kam. Er hatte eine lange, hervorstehende Nase, pickelige, blasse Haut und graue struppige Haare. Seine Augen zuckten und blinzelten unaufhörlich nach links und rechts. Immer beobachtete er alle um sich herum, wusste alles besser und wies jeden zurecht.

Beim Gehen schlackerten seine Arme heftig hin und her. Einmal schlug er mit seinen unkontrollierten Bewegungen gegen einen Wassereimer, den ein vorbeigehendes Mädchen in der Hand trug. Der Eimer wirbelte in die Luft und ein voller Strahl Wasser schoss Meister Stichel ins Gesicht. Sofort
beschuldigte er das Mädchen: „Schafskopf!“ rief er „Pass doch auf! Hast du keine Augen im Kopf?“ Plitschnass stapfte er zu seiner Werkstatt und ärgerte sich.

Meister Stichel war Schuster von Beruf und auch in seiner Werkstatt hantierte er so heftig, dass die anderen aufpassen mussten, nicht von seinem Hammer oder seiner Zange getroffen zu werden. Er war sehr ungerecht zu seinen Lehrlingen und Gesellen und hatte an allem etwas auszusetzen. Mal waren die Absätze der Schuhe ungleich, mal die Stiche zu grob oder das Leder nicht gut bearbeitet. Die Geschäfte liefen schlecht und er hatte ständig Geldsorgen. Ständig beschimpfte er seine Arbeiter und manchmal schlug er sie sogar mit einem Lederriemen. Suchten die armen Leute nicht von selbst eine andere Arbeit, entließ der ungeduldige Meister sie alsbald. Er selbst allerdings brachte wegen seiner ständigen Unruhe auch nicht viel zu Stande. Keine Viertelstunde konnte er ruhig sitzen und arbeiten. Sowieso war er ja die meiste Zeit damit beschäftigt, die anderen zu beschimpfen.

Auch seine Frau hatte es nicht leicht mit ihm. Stand sie zum Beispiel im Winter früh morgens auf und entzündete ein wärmendes Feuer im Ofen, rannte er ihr nach und schrie sie an: „Soll das ganze Haus abbrennen! Das Feuer ist viel zu groß! Denkst du etwa das Holz ist umsonst?!“ Meister Stichel hatte seine Frau eigentlich gern, aber sie schien ihm etwas schwer zu begreifen. Immer wieder versuchte er ihr klar zu machen, wie sie alles zu regeln hätte. Auch die Hausmädchen litten unter ihrem unbarmherzigen Chef. Fröhlich schrubbten sie die Wäsche mit Seife und redeten und lachten dabei. Doch das konnte der Meister nicht ertragen. Er verbot ihnen zu reden und beschuldigte sie, zu viel von der teuren Seife zu benutzen, nicht ordentlich zu schrubben usw. So tobte er durch Haus und Werkstatt und verursachte dabei selbst ständig Missgeschicke. Er stieß den Wäscheeimer um, der sich über den Boden ergoss und rutschte auf dem seifigen Boden aus. Beim Versuch, etwas von dem kostbaren Holz aus dem Feuer zu retten, verbrannte er sich die Finger. Schuld waren aus seiner Sicht natürlich immer die anderen. Warum nur, waren alle so unfähig und verstanden ihn nicht? 

Ganz schlimm wurde es, als in seiner Nachbarschaft ein neues Haus gebaut wurde. Immer war er mit einem Auge bei der Baustelle und bemängelte die Fehler, die dort gemacht wurden. Schließlich wollte er nicht erleben müssen, wie den Dummköpfen ihr Haus über dem Kopf zusammenbrechen würde. Mehrmals am Tag sprang er von seiner Arbeit auf, rannte hinüber zur Baustelle und beschimpfte die Handwerker. Rastlos lief Meister Stichel während der Bauarbeiten zwischen der Baustelle und seiner Werkstatt hin und her. Sobald er die Schusterwerkstatt betrat, hatte er an allem etwas auszusetzen. So sah er einmal, dass der Schuh, an dem sein Lehrling arbeitete, viel zu weit ausgeschnitten war. „Was machst du denn schon wieder für einen Mist? Diesen Schuh können wir gleich in den Müll schmeißen!“ brüllte er. 

Der Lehrling entgegnete: „Aber Meister, diesen Schuh habt ihr doch ausgeschnitten. Ihr habt ihn zu Boden geschmissen, als ihr zur Baustelle gerannt seid. Ich habe ihn bloß aufgehoben und wollte ihn für euch fertigstellen. Euch könnte es wohl ein Engel aus dem Himmel nicht Recht machen!“ „Ja, ja“, dachte sich Meister Stichel. „Diese jungen Leute sind unbelehrbar. Ich habe wirklich Pech mit meinen Lehrlingen. Einer ist unfähiger als der andere. Wie soll das bloß weitergehen?“

In der Nacht träumte Meister Stichel, er sei gestorben und stünde vor der Himmelspforte. Er klopfte heftig gegen die Pforte und ärgerte sich, dass es keine Klingel gab und er sich die Finger wund schlug. Der Apostel Petrus kam herbei und sagte: „Ach ihr seid es Meister Stichel! Ich will euch wohl reinlassen, aber ich warne euch. Hier im Himmel dürft ihr nicht an eurer Gewohnheit festhalten, ständig über alles zu schimpfen und alle zurechtzuweisen. Tut ihr das doch, dürft ihr auf keinen Fall hierbleiben.“ „Eure Ermahnung ist unnötig. Ich weiß doch, wie man sich benimmt. Außerdem wird es im Himmel wohl nicht so schlimm zugehen wie auf der Erde,“ schnaubte Meister Stichel seinen Ärger unterdrückend. So trat er in die weiten, wunderschönen Himmelsräume. Alles glänzte und strahlte in hellem Licht. Unruhig blickten seine Augen nach links und rechts. Da erblickte er zwei Engel, die einen Balken trugen. „Wie ungeschickt“, dachte er „sie tragen den Balken quer und nicht längs, obwohl das viel einfacher wäre.“ Doch wieder schluckte er seinen Ärger hinunter und beruhigte sich. „Es ist doch im Grunde egal, wie sie den Balken tragen. Der eine macht das so, der andere eben anders. Ich sehe ja auch, dass sie tatsächlich nirgendwo anstoßen.“ Kurz darauf sah er wieder zwei Engel. Diese schöpften Wasser mit einem Fass, das überall Löcher hatte. So floss das meiste Wasser nicht in ihr Blumenbeet, sondern versickerte ungenutzt im Boden.  „So eine Dummheit!“ entfuhr es ihm. Doch gleich beschwichtigte er sich wieder. „Vielleicht ist das bloß ein Zeitvertreib. Die Engel haben keine Eile und stören sich nicht daran, dass das meiste Wasser beim Gießen verloren geht. Hier im Himmel gibt es ja von allem genug und die Engel spielen. Ich will mich nicht darüber aufregen.“

Ein Stück weiter des Weges entdeckte der rastlose Meister einen Mann, der mit seinem Wagen im Graben stecken geblieben war. „Oh wie dumm von dir,“ bemerkte er. „Du hast den Wagen viel zu voll beladen. Den kriegst du da niemals wieder heraus.“ „Ja, ich habe das etwas ungeschickt angestellt. Aber ich bin ein rechtschaffener Mann und sehe meine Fehler ein. Die Engel werden mir schon helfen,“ antwortete der Mann. Tatsächlich kamen sogleich die Engel herbei und spannten zwei Pferde vor den Wagen. „Nicht schlecht“, brummte Meister Stichel „Aber ihr werdet schon vier Pferde brauchen, um den schweren Wagen aus dem Graben zu ziehen.“ Zufrieden stellte er fest, dass die Engel tatsächlich zwei weitere Pferde holten. Doch er traute seinen Augen nicht. Sie spannten die Tiere nicht zu den anderen vor den Wagen, sondern banden sie hinten am Wagen an. „So eine Dummheit“ schrie er erbost. „Hat man schon mal gesehen wie – doch er konnte nicht weiterreden. Einer der Himmelsbewohner hatte ihn am Kragen gepackt und zerrte ihn durch die Himmelspforte wieder hinaus aus dem Himmel. Während sich die Pforte hinter ihm schloss, sah Meister Stichel wie vier geflügelte Pferde mühelos mit dem Wagen in die Luft stiegen. Die Engel sangen ihm noch ein Lied zum Abschied: „Wer er es nicht mal schafft auf Erden, wird im Himmel auch nichts werden.“ Werft ihn raus, werft ihn raus, werft ihn raus.“

In diesem Augenblick erwachte er. „Es geht freilich im Himmel etwas anders zu als auf Erden“, sprach er zu sich selbst, „und da lässt sich manches entschuldigen, aber wer kann geduldig mit ansehen, dass man die Pferde zugleich hinten und vorn anspannt? Freilich, sie hatten Flügel, aber wer kann das wissen? Es ist übrigens eine gewaltige Dummheit, Pferden, die vier Beine zum Laufen haben, noch ein paar Flügel anzuheften. Aber ich muss aufstehen, sonst machen sie mir im Haus lauter verkehrtes Zeug. Es ist nur ein Glück, dass ich nicht wirklich gestorben bin.“

Schade, schade, dass unser Meister Stichel am Ende nicht erkennen konnte, wie viel leichter und schöner sein Leben hätte sein können, wenn er sich geändert hätte. Er konnte einfach nicht verstehen, dass alles an ihm selbst lag. Dabei hätte er doch spätestens nach seinem Traum erwachen müssen, und sich ändern sollen. Doch sein Leben lang war es für ihn das Wichtigste, Recht zu haben und alle zu belehren. So mochte ihn niemand, nicht mal seine eigene Frau konnte ihn noch ertragen. Die Leute begrüßten ihn nicht, ja sie wechselten sogar die Straßenseite, wenn Meister Stichel ihnen begegnete. Seine Schusterwerkstatt brachte kaum Geld ein, weil ständig alles misslang und nie ein Arbeiter länger als vier Wochen bei ihm blieb. So starb der Meister verbittert und einsam. 

Nach „Meister Pfriem“, einem Märchen der Gebrüder Grimm

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