Nordamerika: Wie Bärenfells Standhaftigkeit den Nordwind vertrieb

Themen: Standhaftigkeit, Mut, Vertrauen, Urvölker Nordamerikas

Enthalten:

Hörbuch:


Geschichte

Wie Bärenfells Standhaftigkeit den Nordwind vertrieb

Eine Geschichte aus Nordamerika über Standhaftigkeit und positives Denken

Das Tipi von Bärenfell stand am Ufer des Eriesees. Der Winter war bitterkalt, aber Bärenfell war unbesorgt und immer guter Laune. Denn er hatte bereits vier große Baumstämme herbeigeschleppt, welche ihm als Feuerholz für mindestens einen Monat dienten. So pfiff und sang er den ganzen lieben Tag lang. Wenn er Hunger hatte, hackte er das Eis des Sees auf, tauchte unter die Eisdecke und fing so viele Fische, wie er brauchte. Ob das Wasser kalt oder warm war, kümmerte ihn nicht.

Seine Unbekümmertheit ärgerte aber Nordwind, den Gott des Winterwindes, so sehr, dass er wütend zu sich sprach: „Dieser Bärenfell ist doch ein Teufelskerl. Selbst das kälteste Wetter, das ich zu ihm herabschicke, stört ihn nicht. Er ist immer so vergnügt und zufrieden, als wäre es ewig Sommer bei ihm. Na warte, ich werde ihm beibringen, dass man den Nordwind zu fürchten hat!“ Kaum hatte Nordwind das ausgesprochen, schon sauste der kälteste Sturmwind über den Eriesee, den je ein Mensch erlebt hatte.

Doch Bärenfells Feuer erlosch nicht, und obwohl seine ganze Kleidung nur aus einem einzigen dünnen Fell bestand, das notdürftig seine Lenden bedeckte, ging er nach wie vor hinaus und fing Fische.

In seiner Wut beschloss Nordwind, ihm einen Besuch abzustatten, um ihn mit seinem grimmigen Blick das Fürchten zu lehren. Als er am Abend bei ihm ankam, lag Bärenfell gerade in seinem Tipi neben einem brennenden Baumstamm und sang fröhlich:

„Blase, Windgott, immerzu,
Bist ja doch nur meinesgleichen!
Auch wenn du mich erfrieren willst,
Wirst du dein Ziel niemals erreichen!
Vor Hunger, Wind und Donner grell 
Da fürchtet sich kein Bärenfell.”

Als Bärenfell spürte, wie ein eisiger Atem durch sein Tipi drang und ihm klar wurde, dass Nordwind gekommen war, ließ er sich nicht beirren und sang ruhig weiter. Schließlich betrat Nordwind sein Tipi und setzte sich ihm gegenüber hin. Einer alten Legende nach hatte noch nie jemand den grimmigen Blick des kalten Nordwindes überlebt. Bärenfell tat jedoch so, als wäre er gar nicht da, schürte weiter sein Feuer und sang genüsslich: „Blase, Windgott, immerzu, bist ja doch nur meinesgleichen!“

Da wurde Nordwind so entsetzlich wütend, dass er es in dem Tipi nicht mehr aushalten konnte. Zornig stürmte er hinaus und schickte daraufhin eine solche Kälte zu Bärenfell, dass das Eis auf dem See noch dreimal so dick gefror. Bärenfell ließ sich jedoch seine gute Laune nicht verderben. Er hackte einen ganzen Baumstamm klein, vergrößerte sein Tipi und machte sich ein noch größeres Feuer.

Nordwind beobachtete Bärenfell aufmerksam, wusste aber nicht mehr, was er noch anstellen sollte. „Dieser Kerl war einfach nicht kleinzukriegen.“ Mit der Zeit wurde es Nordwind dann langweilig. Schließlich gab er seinen Kampf gegen Bärenfell auf und sagte zu sich: „Bärenfell ist der erstaunlichste Mensch, den ich je getroffen habe. Ich habe versucht, ihn zu erfrieren und ihn auszuhungern. Nichts hat genützt. Er muss wohl vom großen Manitu, dem Herrscher über die Naturgewalten, beschützt werden. Und da wird es wohl am besten sein, wenn ich ihn einfach in Ruhe lasse.“

Aus dieser Geschichte kann man lernen:
Die Geschichte verdeutlicht das Prinzip der Standhaftigkeit und zeigt, wie man mit widrigen Umständen auf positive Weise umgehen kann. Wenn man sich einmal ein Ziel gesetzt hat, wird es immer Schwierigkeiten und Hindernisse geben. Oft kann man die Gegebenheiten nicht verändern, aber zu jeder Zeit kann man seine Einstellung zu den Dingen ändern. Wenn man immer gelassen und fröhlich bleibt und nach Lösungen sucht, anstatt zu jammern, wird man sein Ziel irgendwann erreichen.

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